Lettre Ulysses Award for the art of reportage


Second Press Release 2005 (German)



Berlin, 7. September 2005

SHORTLIST
Nominierungen für Lettre Ulysses Award 2005

Weltpreis für Reportageliteratur
Internationale Jury benennt sieben Finalisten

Die zehnköpfige Jury des Lettre Ulysses Award for the Art of Reportage hat über die sieben Finalisten des mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Weltpreises für Reportageliteratur entschieden. Die nominierten Texte handeln vom Irakkrieg, vom Überleben in Bombay, von geheimen Verhörmethoden und Tötungspraktiken der peruanischen Armee im Kampf gegen die Guerilla in den 80er Jahren, von Anarchie und Rechtlosigkeit der Weltmeere, von einer Pilgerfahrt nach Mekka, vom Söldnerleben in afrikanischen Kriegen, von den Erfahrungen einer Kriegs- und Krisenkorrespondentin. Die sieben Autoren kommen aus dem Irak, Deutschland, Großbritannien, Marokko, den USA, Indien und Peru.


Die sieben Finaltexte

* Anonymus (Riverbend) (Irak): Baghdad Burning. A Girl Blog from Iraq, The Feminist Press at the City University of New York, New York, 2005. In Großbritannien bei Marion Boyars Publishers, London, 2005 veröffentlciht.

* Carolin Emcke (Deutschland): Von den Kriegen. Briefe an Freunde, S. Fischer, Frankfurt am Main, 2004 [Of Wars. Letters to Friends]

* Alexandra Fuller (Großbritannien): Scribbling the Cat. Travels with an African Soldier, Penguin Press, New York, 2004

* Abdellah Hammoudi (Marokko): Une saison à la Mecque. Récit de pèlerinage, Seuil, Paris, 2004 [A Season in Mecca. Account of a Pilgrimage]

* William Langewiesche (USA): The Outlaw Sea. A World of Freedom, Chaos, and Crime, North Point Press, New York, 2004. Unter dem Titel The Outlaw Sea. Chaos and Crime on the World’s Oceans bei Granta Books, London, 2005 veröffentlicht.

* Suketu Mehta (Indien): Maximum City. Bombay Lost and Found, Alfred A. Knopf, New York, 2004

* Ricardo Uceda (Peru): Muerte en el pentagoníto. Los cementerios secretos del Ejército Peruano, Editorial Planeta, Bogotá, 2004 [Death in the Little Pentagon. The Secret Killing Fields of the Peruvian Army]


Kurzbeschreibungen der nominierten Texte

* Anonymus / Riverbend, eine junge Irakerin, verfaßt unter Pseudonym ein Internet-Tagebuch in englischer Sprache. Ihre souveräne Beobachtungsgabe, ihre Intelligenz und ihr außergewöhnliches Sprachvermögen machen ihre unter dem Titel Baghdad Burning auch als Buch publizierten Aufzeichnungen aus der Lebensmitte einer normalen irakischen Familie zu einem einzigartigen kritischen Dokument über das Leben des geschundenen Landes unter den Bedingungen des Krieges und der US-amerikanischen Militärokkupation.

* Carolin Emcke, Reporterin des Spiegel, schreibt in Von den Kriegen. Briefe an Freunde über ihre Arbeit als Krisen- und Kriegskorrespondentin in verschiedenen Regionen der Welt. Der persönliche und reflektierende Ton dieses Buches dringt tief ein in die Panoramen des Schreckens sowie die Anfechtungen dieses Berufs. Diese Diagnosen vom Zustand der Welt machen auf sensible Weise auch den Alltag und die Innenwelten einer Journalistin erfahrbar.

* Die Britin Alexandra Fuller begleitet in Scribbling the Cat einen rhodesischen Kriegsveteranen und Söldner auf einer Reise zurück an die Schauplätze seiner Kriege in Sambia, Simbabwe und Mosambik. Die dramatische, gewaltsame Geschichte von Entkolonialisierung, Guerillakrieg, alter und neuer Herrschaft in Südostafrika ist der Hintergrund einer beklemmenden Reise in die Seele des universal soldiers.

* Der marokkanische Anthropologe Abdellah Hammoudi entschließt sich im Alter von 50 Jahren, seine Pflicht als Muslim zu erfüllen und die große Pilgerreise nach Mekka anzutreten. Sein Ziel ist es, einerseits dieses eindrucksvolle Ritual des Islam als Ethnograph zu beschreiben und als säkularisierter Muslim zugleich die spirituelle Dimension dieser Erfahrung zu erkunden. Une saison à la Mecque schildert die starken sinnlichen Eindrücke in Medina und Mekka und eröffnet auf eindrucksvolle Weise anthropologische, historische, religiöse und soziale Einsichten in den Islam.

* Der amerikanische Reporter William Langewiesche erkundet in seinem Buch The Outlaw Sea Gesetzlosigkeit und Anarchie der Ozeane. Seine faszinierenden Geschichten handeln von Schiffskatastrophen, Meerespiraterie, den Auseinandersetzungen um eine internationale Meeresgesetzgebung, dem Konflikt zwischen Profitstreben der Reedereien und den ökologischen Erfordernissen sowie vom Abwracken ausgedienter Ozeanriesen.

* Der indische Schriftsteller Suketu Mehta entschließt sich, nach Jahren in New York, nach Bombay/Mumbai, der Stadt seiner Kindheit überzusiedeln. Maximum City – Bombay Lost and Found ist ein facettenreiches Porträt der indischen Megametropole und schildert die Kunst des Überlebens inmitten des urbanen Chaos. Der Autor begleitet Landflüchtlinge und Straßenkinder, Gangster und Polizisten, Filmstars und Transvestiten, Diamantenhändler und Erlösungssuchende. Sein Buch schildert die Schrecken und die Wunder dieses urbanen Molochs zwischen Archaik und Moderne.

* Der peruanische Journalist Ricardo Uceda taucht ein in die schon verdrängte jüngere Geschichte Perus und geht einer Geheimgeschichte des peruanischen Heeres nach. Muerte en el Pentagoníto ist eine auf vielen Zeugenaussagen beruhende Recherche über den schmutzigen Krieg zwischen der aufständischen Guerillaorganisation Leuchtender Pfad und der peruanischen Armee zu Beginn der 80er Jahre. Das Buch gehört mit seinen brisanten Enthüllungen zu dem in vielen lateinamerikanischen Ländern unternommenen Versuch, die Geschichte der letzten Jahrzehnte kritisch zu rekonstruieren.

Preise und Preisverleihung 2005
Im Rahmen des Lettre Ulysses Award 2005 werden drei Geldpreise von 50.000, 30.000 und 20.000 Euro, Preise in Form von Arbeitsaufenthalten sowie wertvolle Uhren der Firma Nomos vergeben. Die Gewinner werden am 15. Oktober, dem Samstag vor der Eröffnung der Internationalen Frankfurter Buchmesse, vor einem internationalen Publikum im Berliner Tipi-Zelt bekannt gegeben. Die Festrede hält der schwedische Reportageautor und Schriftsteller Sven Lindqvist.

Initiatoren und Ziel des Preises
Die Kulturzeitschrift Lettre International ist Initiator dieses einzigen Weltpreises für literarische Reportage. Die Aventis Foundation ermöglicht den Preis durch finanzielle Unterstützung. Das Goethe-Institut ist Partner des Lettre Ulysses Award. Absicht der Initiatoren ist es, die Kunst der literarischen Reportage in den Fokus weltweiter Aufmerksamkeit zu rücken und ihre Autoren materiell und ideell zu unterstützen.
Seit Oktober 2003 wird der Lettre Ulysses Award jährlich für Texte verliehen, deren Erstpublikation nicht länger als zwei Jahre zurückliegt. In diesem Jahr berücksichtigte die Jury Arbeiten, die nach dem 1. Januar 2003 veröffentlicht wurden.

Resonanz des Preises
Die Etablierung des Lettre Ulysses Awards 2003 hat bei Journalisten wie Schriftstellern sowie in Presse, Radio und Fernsehen international breite Resonanz gefunden. Die Preisverleihungen – 2003 an die russische Journalistin Anna Politkovskaja für ihr Buch über den Tschetschenien-Krieg und 2004 an die beiden chinesischen Autoren Wu Chuntao und Chen Guidi für ihre Reportage zur Lage der chinesischen Bauern - fanden international große Beachtung.

Bedeutung der Reportageliteratur
Der Reportageliteratur wird international zunehmend Bedeutung beigemessen. Zuletzt vertraten in der New York Times vom 7. August 2005 der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 2001, V.S. Naipaul, und die Journalistin Rachel Donadio die These, die Reportage sei im Gegensatz zu dem in mancher Hinsicht erschöpften Roman in besonderer Weise geeignet, auf die Wahrnehmungsherausforderungen einer immer komplexeren, globalisierten Welt zu antworten (cf. Truth is Stronger Than Fiction). Auch die Herausgeber des Atlantic Monthly, Cullen Murphy, und der Paris Review, Philip Gourevitch, betonen die außergewöhnlichen Leistungen der literarischen Reportage bei der Beschreibung unserer Welt.

Jury und Juryverfahren
Als Juroren des Lettre Ulysses Award arbeiten ausschließlich herausragende und vielfach preisgekrönte Schriftsteller und Reportageautoren. Die vielsprachigen Juroren repräsentieren neun der größten Sprachräume und garantieren somit ein breites sprachliches und kulturelles Wahrnehmungsfeld. Als Sprachen sind vertreten: Arabisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Hindi, Portugiesisch, Russisch und Spanisch. Jurymitglieder sind frei, Texte aus allen Sprachen der Welt zu nominieren, Nominierungen werden durch schriftliche Gutachten begründet. Die Arbeitssprache der Jury ist Englisch.


Die Mitglieder der Jury 2005


* Swetlana Alexijewitsch (Weißrussland): Journalistin, Filmemacherin, Theaterautorin
* Gamal Al-Ghitany (Ägypten): Romancier, Essayist, Journalist
* Mark Danner (USA): Kriegsreporter, Essayist, Redakteur
* Isabel Hilton (Großbritannien): Reporterin, Schriftstellerin, Radioautorin
* Lung Yingtai (Taiwan): Literaturkritikerin, Essayistin, Literaturprofessorin
* Pankaj Mishra (Indien): Romancier, Literaturkritiker
* Anne Nivat (Frankreich): Reporterin, Schriftstellerin
* Sergio Ramírez (Nicaragua): Schriftsteller, Journalist
* Pedro Rosa Mendes (Portugal): Reporter, Schriftsteller
* Ilija Trojanow (Deutschland): Schriftsteller, Reporter, Verleger

Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Konzept des Preises, zur Jury, den Finalisten sowie zur longlist finden sich auf der Homepage: www.lettre-ulysses-award.org


Kontakt
Foundation Lettre International Award
Frank Berberich, Esther Gallodoro, Felix Wiesjahn (Presse)
Elisabethhof Portal 3 b, Erkelenzdamm 59/61, D - 10999 Berlin
Tel: +49 (0) 30-30 87 04 –52/ –61, Fax: +49 (0) 30-283 31 28, E-Mail: lettre@lettre.de
www.lettre-ulysses-award.org


Please find the first press release in English, German, French, Spanish

 

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"What is literary reportage? What do we need? Do we need first-hand experience? Yes. Do we need literary writing? Of course. But we need also something that's different than everything else, a new creation, something that couldn't be done before, that can't be compared to anything else in the world."Mark Danner (jury member 2005)